Der Niederländer Adriaen de Vries zählt zu den wichtigsten Bildhauern seiner Zeit. Um 1600 war er in Augsburg tätig und schuf dort, neben anderen Werken, sowohl den Merkur-, als auch den Herkulesbrunnen.
Diese beiden Werke stellen den Höhepunkt der Neugestaltung der heutigen Maximilianstraße dar, die mit der Errichtung des Augustusbrunnens von Hubert Gerhard ihren Anfang nahm.
Darüber hinaus erlangte Adriaen de Vries gerade mit diesen beiden Bronzefiguren europaweiten Ruhm.
Die Restaurierung und Neuaufstellung der drei Brunnenfiguren "Augustus", "Herkules" und "Merkur" im Maximilianmuseum war der Anlass mit der Ausstellung "Adriaen de Vries 1556-1626.
Augsburgs Glanz - Europas Ruhm" im Augsburger Kulturleben in das dritte Jahrtausend zu starten. Neben den Augsburger Werken (darunter die oben erwähnten Bronzen, sowie einer weiteren Brunnenfigur, dem Brunnenjüngling, der bis zum 18. Jahrhundert im Kastenturm am Rotem Tor aufgestellt war) sind hochrangige Exponate, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgraphiken und Gemälde, aus dem In- und Ausland zu sehen, die in dieser Zusammensetzung einmalig sein werden und so auch in den vorangegangenen Ausstellungsstädten Amsterdam, Stockholm und Los Angeles nicht zu sehen waren.
Neueröffnung des Maximilian-Museums mit Werken von Adriaen de Vries
Zu Beginn der Jahrtausendwende zeigt das Maximilianmuseum sein neues Gesicht und ist nach umfassenden Umbaumaßnahmen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit einer gläsernen Dachkonstruktion, die den Innenhof überspannt, präsentiert sich das Museum in einer architektonisch beeindruckenden Atmosphäre. Diese bietet, neben den historischen, z. T. freskierten Räumen einen idealen Rahmen für die Werke des Bronzebildhauers Adriaen de Vries, mit denen das Maximilianmuseum am 11. März 2000 gebührend eröffnet wird.
Hauptattraktion der Ausstellung sind die Augsburger Brunnenfiguren "Herkules" und "Merkur", die in dem überdachten Innenhof ihren dauerhaften Präsentationsort einnehmen. Darüber hinaus werden zahlreiche Exponate aus dem schöpferischen Gesamtwerk des Bildhauers gezeigt, die einen umfangreichen Überblick über das Leben und Wirken Adriaen de Vries ermöglichen.
Augsburg ist, nach Amsterdam, Stockholm und Los Angeles die vierte und letzte internationale Ausstellungsstadt und erweist sich unter den genannten als die einzige historische Wirkungsstätte des Künstlers.
Fürstenkünstler und Künstlerfürst
Geboren wurde Adriaen de Vries wohl 1556 in Den Haag als Sohn eines Apothekers. Über seine ersten Schritte als Künstler ist kaum etwas bekannt. Erst in Florenz, im Jahre 1581 lassen sich seine Spuren verfolgen. In der Werkstatt des berühmten italienischen Bildhauers Giambologna schafft er sich die Grundlage für seine spätere Spezialisierung auf Bronzestatuen.
Nach seinem ersten größeren Auftrag bei Pompeo Leoni in Mailand arbeitete er als Hofbildhauer für Herzog Emanuel von Savoyen in Turin. Zu diesem Zeitpunkt war Adriaen de Vries noch weitestgehend unbeachtet.
Sein künstlerischer Durchbruch gelang ihm endgültig in der freien Reichsstadt Augsburg mit der Errichtung des Merkurbrunnens (1599) und des Herkulesbrunnens (1602). Hier war Adriaen de Vries von 1596 bis 1602 tätig. Bei seiner Verpflichtung nach Augsburg ist zu vermuten, dass auch hier die Fugger, wie schon im Fall des Bildhauers Hubert Gerhard, der den Augustusbrunnen schuf, eine wichtige Rolle gespielt haben.
Gerhard war inzwischen Hofbildhauer in München und man suchte einen gleichwertigen Ersatz.
Noch während seines Augsburger Aufenthalts ernannte ihn Kaiser Rudolf II. zum "Kammerbildhauer". Adriaen de Vries siedelte nach Prag über und war seitdem ausschließlich für den Kaiser und seinen Hofstaat tätig.
Auch nach dem Tode Rudolfs, im Jahre 1612, blieb de Vries in Prag und erhielt zahlreiche Aufträge vom europäischen Hochadel. Zu seinen Auftraggebern gehörten u.a. König Philipp II. von Spanien, König Christian IV. von Dänemark und Fürst Albrecht von Waldstein (Wallenstein).
Bis ins hohe Alter tätig, starb Adriaen de Vries 1626, im Alter von 70 Jahren in Prag.
Wegbereiter des Barock mit impressionistischen Zügen
Anfänglich arbeitete Adriaen de Vries im Stil seines Lehrmeisters Giambologna, der auf dem Gebiet der Bildhauerei einer der Hauptvertreter des europäischen Manierismus war.
Um 1600, während seiner Augsburger Zeit, entwickelte de Vries einen unverwechselbaren persönlichen und virtuosen Stil, der frühbarocke Züge aufweist.
Mit großem Gefühl für Anatomie und Balance modellierte de Vries einzigartige Skulpturen. Dabei behandelte er den Werkstoff Bronze in einer außergewöhnlich freien und malerischen Weise, die zur damaligen Zeit einzigartig war.
Insofern könnte man seine Spätwerke fast als "impressionistisch" bezeichnen.
Auf der Schwelle des Manierismus des 16. Jahrhunderts zum Barock des 17. Jahrhunderts tritt de Vries auf dem Gebiet der Bildhauerei als ein überaus originelles und schöpferisches Talent hervor. Damit zählt er - diese Bedeutung ist erst seit jüngster Zeit bekannt - zu den wichtigsten Wegbereitern des Barocks.
Ausstellungskonzeption - Präsentation im Maximilianmuseum
Die Originalbronzen, einige von ihnen sind überlebensgroß, sind als Leitobjekte der Ausstellung behandelt und stehen - ihrer Bedeutung entsprechend - im Mittelpunkt der Präsentation.
Ausgangs- und zugleich Höhepunkt des Ausstellungsrundganges ist der neue, durch ein hochmodernes Glasdach überspannte Innenhof. Das Glasdach ist in seiner Konstruktion eine absolute Weltneuheit.
Der Innenhof wird künftig dem Ehepaar Felicitas und Kurt F. Viermetz als Mäzenen in seiner Benennung als "Viermetz-Hof` gewidmet.
Hier werden die Monumentalbronzen der drei Augsburger Prachtbrunnen, sowie Bronzen aus dem Schlosspark von Drottningholm bei Stockholm zu sehen sein.
Von dort aus führt der Rundgang den Besucher weiter durch die prächtigen Räumlichkeiten des Maximilianmuseums. Dieser Weg folgt der künstlerischen Entwicklung von de Vries, angefangen von seiner Lehrzeit in der Werkstatt Giambolognas bis hin zu seinen Prager Werken.
Die Präsentation charakterisiert sich darüber hinaus durch weitere Besonderheiten: zum einen wird in einem eigens dafür eingerichteten Raum, dem "Technischen Kabinett", das von de Vries angewandte Wachsausschmelzverfahren in seinen einzelnen Schritten nachvollziehbar gemacht. Zum anderen wird das Wasserreservoir vom Obergeschoß des Kastenturms am Roten Tor mit dem Brunnenjüngling des Adriaen de Vries rekonstruiert. Außerdem wird, in Zusammenarbeit mit dem Münchner Landesamt für Denkmalpflege, in einer detaillierten Dokumentation die aufwendige Restaurierung der Augsburger Bronzen veranschaulicht.
Ausstellungskonzeption
- Die Exponate und ihre Leihgeber
Die Ausstellung besteht aus mehr als 40 Bronzen, 12 Zeichnungen, ca.40 Druckgraphiken, 2 Gemälden, mehreren Reliefs, sowie Archivalien, Büchern, Modellen und Reproduktionen.
Die ausgewählten und hochrangigen Werke sind anschauliche Dokumente der künstlerischen Entwicklung von Adriaen de Vries. Darüber hinaus ermöglicht die Ausstellung, die technische Raffinesse des Künstlers und die Einzigartigkeit seiner Arbeitsweise zu verfolgen.
Bedeutende Museen des In- und Auslands haben ihre kostbaren, oft lebensgroßen Plastiken zur Verfügung gestellt: darunter die "Psyche" des Nationalmuseums Stockholm "Christus an der Säule" aus dem Nationalmuseum Warschau "Lazarus" aus dem Statens Museum für Kunst in Kopenhagen.
Des weiteren ergänzen Werke aus Privatsammlungen, beispielsweise Exponate aus der Sammlung der Königin von England und der Sammlung der Fürsten von Liechtenstein, die umfangreiche Ausstellung.